Der Schwerpunkt der Kataraktchirurgie hat sich von einer Technik, die vor allem auf der sicheren Entfernung der Linse basierte, zu einem Verfahren, das stets nach den besten postoperativen refraktiven Ergebnissen sucht, verschoben, wodurch der Patient keine Fernsichtbrille mehr benötigt und - in naher Zukunft - auch keine Lesebrille mehr. Heute konzentriert man sich sowohl auf das Entfernen einer bereits vorhandenen Myopie und Hypermetropie als auch auf die Behandlung von Astigmatismus. Die Messungen der Linsenstärke wurden perfektioniert und verfeinert, außerdem stehen nun auch neue Möglichkeiten zur Verfügung, um postoperative refraktive Komplikationen zu behandeln, die auf ungenaue Messungen der Linsenstärke zurückzuführen sind. Die größte Herausforderung für die Zukunft der refraktiven Kataraktchirurgie ist die Behandlung der Presbyopie (Altersweitsichtigkeit) während des Entfernens der Linse mit multifokalen oder akkommodativen Intraokullinsen. EOS - Neue Augen für Patienten ab 45
Berechnung der Linsenstärke Der Schlüssel für den Erhalt eines ausgezeichneten refraktiven Ergebnisses nach einer Kataraktoperation ist die Biometrie, d.h. eine genaue Messung der Augenlänge und der Hornhautkrümmung. Diese Messungen fliessen in moderne Berechnungsformeln der Linsenstärke ein, um exakte und konsistente Ergebnisse zu erhalten. Die klassische Echografie (Applanationsbiometrie), wobei eine Sonde verwendet wird, die die Hornhaut unmittelbar berührt, führt zwar noch stets zu guten Ergebnissen, kann aber bei postoperativen refraktiven Untersuchungen zu Komplikationen führen, wenn die Sonde zu sehr auf die Hornhaut drückt. Neue Methoden, wie Immersionsbiometrie oder berührungslose optische Biometrie thalkohärenter Interferometrie (Zeiss IOLMaster), führen zu hochpräzisen Messungen, sind angenehmer für den Patienten und erfordern weniger Zeit. http://www.bog-sbo.org/bulletin/277_04.pdf
Astigmatismus Die kleineren astigmatisch neutralen Inzisionen, die wir mittlerweile routinemäßig durchführen, erlauben es uns, während einer Kataraktoperation mit bereits vorhandenen Astigmatismen präziser zu arbeiten. Sogenannte “Relaxing incisions” in den gekrümmtesten Meridian der Hornhaut (arcuate keratotomy of limbal relaxing incisions) sind für die Reduzierung von bis zu 5 Dioptrien bei bereits vorhandenem Astigmatismus nützlich. Ein andere Methode, um bereits vorhandenen Astigmatismus während der Kataraktoperation zu korrigieren, ist die Verwendung von neuen “torischen” Intraokularlinsen, bei denen die Korrektur des Astigmatismus bereits einbezogen ist. Diese Linse muss im entsprechenden Meridian eingesetzt werden. Bei Patienten mit stärkerem Astigmatismus können einige Wochen vor der Kataraktoperation Limbal-Relaxing-Inzisionen durchgeführt werden, an die sich die Implantation einer torischen Intraokularlinse zur Behandlung des residuellen Astigmatismus anschließt. Darüber hinaus kann als Vorbehandlung des kornealen Astigmatismus LASIK (Laser in situ Keratomileusis) durchgeführt werden, wobei diese Methode auch mit Limbal-Relaxing-Inzisionen, torischen Intraokularlinsen oder einer Kombination dieser drei Verfahren kombiniert werden kann. Presbyopie (Altersweitsichtigkeit) Der nächste große Schritt der refraktiven Kataraktchirurgie wird die Behandlung der Presbyopie oder Altersweitsichtigkeit während des Entfernens der Linse sein. Da die moderne Kataraktchirurgie den meisten Patienten mittlerweile eine gute Fernsicht ohne Brille ermöglicht, ist die nächste Herausforderung, ihnen durch Simulation einer Akkomodation (d.h. Anpassungsfähigkeit der normalen Linse auf Nah- und Fernsichtbedingungen) das Lesen ohne Brille zu ermöglichen. Dies wird bei den meisten Patrienten zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen. Die astigmatische, neutrale Kataraktchirurgie ermöglicht es, in stärkerem Maße auf die multifokale Implantatlinsentechnologie zurückzugreifen. Die einzige multifokale Intraokularlinse, die weltweit verwendet wird, ist die AMO-Array-Linse (Allergan Surgical). Es handelt sich dabei um eine "zonal progressive" Intraokularlinse mit fünf konzentrischen Zonen auf der Oberfläche. Jede Zone wiederholt die gesamte refraktive Sequenz, die der Fern-, Mittel- und Nahsicht entspricht, die wiederum die Gesamtsicht ergibt. Die meisten Patienten, die für dieses chirurgische Verfahren ausgewählt werden, benötigen nach dem Eingriff keine Brille mehr. Einige Patienten klagen jedoch nachts über Halos bei Lichtquellen. Dr. Vryghem hat an einer Untersuchung über die C&C Vision CrystaLens (Model AT-45), einer monofokal-akkommodierbaren Linse, mitgearbeitet. Diese Multipiece-Intraokularlinse aus Silikon wird mit Scharnieren an der Optik der Linse befestigt, wodurch sich die Linse bei einer Konzentration auf die Nahsicht leicht nach vorn bewegen kann. Diese Pseudoakkommodation ermöglicht dem Patienten eine Nah- und Fernsicht mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit von Halos als mit der AMO-Array-Linse. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend, auch wenn einige Patienten über Müdigkeit klagen.  |  | | AMO Array | CrystaLens AT-45 |
Abschließende Bemerkungen Die aktuellen Entwicklungen der chirurgischen Techniken, der Biometrie und der Berechnung der Linsenstärke haben uns geholfen, uns dem Ideal der Emmetropie bei allen unseren Kataraktpatienten zu nähern. http://www.bog-sbo.org/bulletin/281_08.pdf Gleichzeitig haben diese Verbesserungen der postoperativen Ergebnisse der refraktiven Kataraktchirurgie unsere Leistungsfähigkeit erhöht, um multifokale Linsen zu verwenden und diese Technologie unseren Patienten zur Behandlung der Presbyopie anzubieten und damit die Abhängigkeit von einer Brille zu verringern. Die Intraokularlinsenchirurgie ist mittlerweile zu einer allgemein üblichen Methode der refraktiven Chirurgie geworden, und zwar nicht nur für Kataraktpatienten, sondern auch für ältere Menschen, die ohne Brille auskommen möchten.
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